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Quelle: pexels.com

Arbeit und Beruf

Darf ich in Deutschland arbeiten?

Wenn Sie einen Aufenthaltstitel haben mit dem Vermerk „Erwerbstätigkeit erlaubt“, dürfen Sie eine Berufsausbildung machen und arbeiten. Sofern dieser Vermerk nicht vorhanden ist, wird in bestimmten Fällen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit im Einzelfall erlaubt. Sofern die Erlaubnis auf eine bestimmte Tätigkeit und Arbeitgeber beschränkt ist, kann diese Erlaubnis auf einen anderen Arbeitgeber übertragen werden (sofern die Voraussetzungen vorliegen). Falls Sie keine Arbeitserlaubnis haben und dennoch arbeiten, riskieren Sie selbst und der Arbeitgeber Bestrafung.

Brauche ich einen schriftlichen Arbeitsvertrag?

Eine mündliche Vereinbarung ist zwar gesetzlich wirksam, aber es ist von Vorteil für Sie, wenn Sie einen schriftlichen Arbeitsvertrag erhalten, worauf Sie ein Recht haben. Falls Ihr Arbeitgeber Ihnen eine befristete Arbeitsstelle anbietet, ist er gesetzlich verpflichtet, Ihnen einen schriftlichen Arbeitsvertrag zu geben. Bei der Unterzeichnung des Vertrags erhalten Sie ein Exemplar.

Im Arbeitsvertrag stehen folgende Informationen:

- Name und Adresse des Arbeitgebers
- Beginn und Dauer der Beschäftigung
- Art der Tätigkeit und Beschreibung der Aufgaben
- Arbeitsort
- Höhe der Bezahlung (Bruttolohn)
- Anzahl der bezahlten Urlaubstage
- Kündigungsfrist
- Hinweise auf anwendbare Tarifverträge

Diese Informationen muss Ihnen der Arbeitgeber auch dann geben, wenn es lediglich eine mündliche Vereinbarung gibt. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Arbeitsvertrag in Ordnung ist, können Sie ihn der zuständigen Gewerkschaft zur Prüfung vorlegen.

Gibt es einen gesetzlichen Mindestlohn in Deutschland?

Ja. Er beträgt im Moment 8,84 Euro brutto pro Stunde für volljährige Personen. Möglicherweise gilt für Ihren Arbeitsplatz ein höherer Mindestlohn, falls die Arbeitsbedingungen durch einen Tarifvertrag geregelt werden. Einzelheiten erfahren Sie über die für Sie zuständige Gewerkschaft oder beim Dachverband der deutschen Gewerkschaften. Bei Bedarf kann Ihre Migrationsberatungsstelle Ihnen helfen, passende Ansprechpartner zu finden.

Auf welche Weise werde ich für meine Arbeit bezahlt?

Ihr Arbeitgeber ist verpflichtet, die von Ihnen geleistete Arbeit zu bezahlen. In der Regel wird Ihr Lohn auf ein Girokonto bei einer Bank überwiesen. Sie müssen also ein Girokonto bei einer Bank Ihrer Wahl eröffnen und dem Arbeitgeber die Kontodaten mitteilen. Bitte prüfen Sie genau, was Sie bei der Kontoeröffnung unterschreiben, besonders, wenn Sie die deutsche Sprache noch nicht gut verstehen! Es kann passieren, dass Ihnen Versicherungen oder Kreditkarten vorgeschlagen werden, die Sie nicht wirklich brauchen und die Ihnen Kosten verursachen.

Ihr Arbeitgeber legt Ihnen am Monatsende eine Lohnabrechnung vor. Dort steht, wieviel Sie gearbeitet und verdient haben und welche Beiträge für Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen abgezogen werden. Diese zahlt der Arbeitgeber direkt an das Finanzamt und die Krankenkasse. Sie erhalten auch einen gesonderten Nachweis darüber, welche Daten an die Sozialversicherung (die Krankenversicherung) gemeldet werden. Ihre Krankenversicherung sollte wissen, wo sie beschäftigt sind, damit diese auch prüft, dass die Sozialversicherungsabgaben korrekt abgeführt werden.

Wie unterscheidet sich der Nettolohn vom Bruttolohn?

Der Bruttolohn wird mit dem Arbeitgeber vereinbart. Davon wird Folgendes abgezogen:

- der Arbeitnehmer-Anteil der Sozialversicherungsabgaben (Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Pflegeversicherung)
- Einkommensteuer
- Kirchensteuer (nur dann, wenn Sie einer christlichen Kirche angehören)
- Solidaritätszuschlag (eine zusätzliche Steuer)

Ein Steuerabzug erfolgt nur, soweit nicht das Existenzminimum berührt ist. Bei höherem Einkommen wird ein Kinderfreibetrag veranschlagt und dafür kein Kindergeld ausbezahlt.

Der Nettolohn ist der Betrag, der auf Ihr Bankkonto überwiesen wird.

Was kann ich tun, wenn mein Arbeitgeber nicht bezahlt?

Ihr Arbeitgeber ist rechtlich verpflichtet, Ihre Arbeit zu bezahlen, auch wenn Sie keinen schriftlichen Arbeitsvertrag haben. Der erste Schritt ist, dem Arbeitgeber ein Schreiben mit allen Informationen zu schicken (geleistete Arbeitsstunden, Betrag, Bankdaten und setzen Sie unbedingt eine Zahlungsfrist (z.B. 2 Wochen). Wichtig ist auch, das Original, welches Sie per Einschreiben mit der Post an den Arbeitgeber schicken, zu unterschreiben.
Reagiert der Arbeitgeber nicht innerhalb der gesetzten Frist, können Sie bei einem Arbeitsgericht eine Klage einreichen.

Ist die Arbeitszeit gesetzlich geregelt?

Ja. Die Arbeitszeit darf im Durchschnitt maximal 8 Stunden betragen. In einzelnen Branchen gibt es saisonale Regelungen für die Arbeitszeit (z.B. Baubranche). Sie erhalten Auskunft bei den Gewerkschaften.

Habe ich Anspruch auf bezahlten Urlaub?

Ja, bei einer 5-Tage-Arbeitswoche haben Sie gesetzlichen Mindestanspruch auf 20 bezahlte Werktage pro Jahr. Soweit nach dem jeweiligen Tarifvertrag ein höherer Urlaubsanspruch zusteht, gilt dieser. Ihr Arbeitgeber kann Ihnen mehr Urlaubstage gewähren, aber nicht weniger. Wenn Sie in Teilzeit arbeiten, wird der Urlaubsanspruch angepasst.

Habe ich Anspruch auf Bezahlung, wenn ich krank bin?

Ja, wenn Sie länger als 4 Wochen bei einem Arbeitgeber arbeiten, erhalten Sie bis zu 6 Wochen Ihren vollen Lohn, wenn Sie krank und arbeitsunfähig sind. Sind sie länger krank, gibt es Unterstützung über die Krankenkasse. Sie müssen sich von einem Arzt untersuchen lassen, der Ihnen eine „Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung“ ausstellen kann, die Sie dem Arbeitgeber vorlegen.

Was passiert im Falle der Kündigung?

Es gibt im Arbeitsrecht geregelt Kündigungsfristen. Nur eine schriftliche Kündigung mit Unterschrift ist gesetzlich wirksam. Es gibt verschiedene Gründe, warum eine Kündigung durch den Arbeitgeber zulässig sein kann. Ein Arbeitgeber darf einer Frau, die schwanger ist, während der Schwangerschaft bis zum Ablauf des 4. Monats nach der Entbindung nicht kündigen.

Sofern eine Kündigung erfolgt, kann es sinnvoll sein eine Kündigungsschutzklage zu erheben. Falls Sie mit der Kündigung nicht einverstanden sind, können Sie innerhalb von 3 Wochen nach Erhalt der Kündigung beim Arbeitsgericht eine Klage einreichen. Als Gewerkschaftsmitglied erhalten Sie Unterstützung und Rechtsberatung.

Darf ein Arbeitgeber Probearbeit verlangen?

Ja, aber diese Arbeit muss bezahlt werden und darf nicht länger als eine Woche dauern.

Vorsicht vor Scheinselbständigkeit!

Scheinselbständigkeit bedeutet, dass Sie ein Gewerbe anmelden und damit selbständig sind, Sie aber wie ein Arbeitnehmer für einen Arbeitgeber tätig sind. Es gibt Arbeitgeber, die Ihnen ein solches Arbeitsverhältnis vorschlagen, weil sie damit die Zahlung von Sozialversicherungsabgaben einsparen. Wenn Behörden eine solche Scheinselbständigkeit feststellen, müssen Sie diese Abgaben nachzahlen und riskieren hohe Geldstrafen. Arbeitgebern droht eine Geldstrafe von bis zu 500.000 Euro.

Sie können sich vor Scheinselbständigkeit schützen, indem Sie keinesfalls Werk- oder Honorarverträge oder andere Dokumente unterschreiben, die Sie nicht verstehen. Rat und Unterstützung erhalten Sie bei den Gewerkschaften.

Was ist ein Minijob?

Ein Arbeitsverhältnis, bei dem Sie monatlich höchstens 450 Euro verdienen. Wird der Mindestlohn gezahlt, arbeiten Sie höchstens 53 Stunden pro Monat. Vorsicht: Sie sind über das Arbeitsverhältnis nicht sozialversichert und haben keinen Anspruch auf Leistungen durch die Krankenkasse!

Werden Sie länger krank, erhalten Sie dennoch bis zu 6 Wochen Ihren vollen Lohn.

Wie funktioniert Leiharbeit?

Eine Firma beschäftigt Arbeitnehmer und stellt diese einer anderen Firma für eine bestimmte Zeit gegen Gebühr zur Verfügung. Diese Firma bezahlt Ihren Lohn und ist zuständig für alle Fragen in Bezug auf Urlaub und Krankheit.

Die Anweisungen in Bezug auf Ihre praktische Tätigkeit erhalten Sie jedoch von der Firma – dem so genannten Einsatzbetrieb – in der Sie arbeiten.

Für Leiharbeit gibt es gewerkschaftliche Tarifverträge. Der Mindestbrutto-Lohn beträgt momentan (Stand 4.8.2016) 8,80 Euro.

Braucht Ihr Einsatzbetrieb Ihre Arbeit nicht mehr, muss die Firma, bei der Sie angestellt sind, Ihnen einen anderen Arbeitsplatz zuweisen. Es ist nicht erlaubt Sie dazu zu zwingen, Urlaub zu nehmen oder Überstunden abzubauen. Ihr Lohn muss weiter bezahlt werden.

Hinweis: Eine Zustimmung zu einem  Aufenthaltstiteln zum Zwecke der Erwerbstätigkeit durch  ZAV wir bei Leiharbeitsverhältnis nicht erteilt.

Welche Rechte habe ich bei einem Praktikum?

Auch für Praktika gilt der Mindestlohn von 8,84 Euro brutto. Ausnahmen gelten für Pflichtpraktika im Rahmen eines Studiums, Praktika, die nicht länger als 3 Monate dauern. Auch für solche Fragen finden Sie kompetente Beratung bei den Gewerkschaften.

Diese Informationen sind der Broschüre des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) mit dem Titel „Wissen ist Schutz! Was Geflüchtete wissen sollten, um in Deutschland erfolgreich zu arbeiten“ entnommen, Stand: April 2016.