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Quelle: pexels.com

Berufliche Abschlüsse

Anerkennung von beruflichen Abschlüssen zwecks Arbeitsaufnahme

Es gibt Berufe und Tätigkeiten, die man in Deutschland nur mit einer speziellen Erlaubnis ausüben darf (die sogenannten reglementierten Berufe). So darf z. B. als Arzt/Ärztin nur arbeiten, wer hierfür eine spezielle Erlaubnis hat (Approbation oder Berufsausübungserlaubnis). Im Bereich der Handwerksberufe darf einen Handwerksbetrieb z. B. nur eine Person anstellen, die die Qualifikation als Meister/Meisterin für den entsprechenden Handwerksberuf hat.

  • Soweit Sie einen Beruf ausüben wollen, für den man zwingend eine entsprechende anerkannte Qualifikation benötigt (reglementierte Berufe), müssen Sie bei der zuständigen Stelle die entsprechende Anerkennung der Qualifikation beantragen.
  • Wenn Sie einen Beruf ausüben wollen, bei dem die Anerkennung der Qualifikation nicht vorgeschrieben ist (nicht-reglementierte Berufe), kann die Anerkennung der Qualifikation dennoch sinnvoll sein. Ein möglicher Arbeitgeber wird Sie oft nur einstellen wollen, wenn er anhand einer solchen Anerkennungsentscheidung feststellen kann, welche Qualifikation Sie mitbringen. Zudem hängt auch teilweise die Höhe Ihrer Bezahlung davon ab, ob Ihre berufliche Qualifikation anerkannt ist.

Am 01.04.2012 ist das Anerkennungsgesetz des Bundes in Kraft getreten. Mit diesem Gesetz ist es nun grundsätzlich auch für Angehörige von Nicht-EU-Staaten möglich, bei bestehender gleichwertiger Ausbildung eine berufliche Qualifikation durch die zuständigen Stellen in Deutschland anerkennen zu lassen. Allerdings muss immer für den konkreten Fall nachgeschaut werden, ob und inwieweit eine Anerkennung möglich ist. Für viele Berufe sind die Länder zuständig, die entsprechenden gesetzlichen Regelungen zu treffen. Die Länderanerkennungsgesetze sind inzwischen alle in Kraft getreten. Die Regelungen orientieren sich oft am Bundesanerkennungsgesetz. Hier finden Sie das Länderanerkennungsgesetz, das für Sie gilt. 

Die Anerkennung einer beruflichen Qualifikation kommt in Betracht, wenn Sie durch ein Studium oder eine geregelte Ausbildung die Befähigung erworben haben, einen bestimmten Beruf auszuüben. Ob im Einzelfall eine Anerkennung in Betracht kommt, ist nicht einfach einzuschätzen. Auf jeden Fall sollten Sie dazu die Hilfe kompetenter Beratungsstellen in Anspruch nehmen, zum Beispiel durch die BeraterInnen im Projekt „Vorbereitet und erfolgreich ankommen in Deutschland“, durch die Migrationsberatungsstellen in Deutschland bzw. (je nach Beruf) auch durch spezialisierte Fachberatungsstellen.  

Folgende Prüfungsschritte sind hilfreich
  1. Bevor Sie eine Anerkennung beantragen, müssen Sie überlegen, welchen Beruf Sie in Deutschland genau ausüben möchten bzw. welcher Beruf Ihrer Berufsqualifikation entsprechen könnte (sogenannter Referenzberuf). Dies ist nicht immer einfach zu entscheiden, da die Berufe von ihren Inhalten und der Ausbildung her sehr unterschiedlich sein können. Beim Anerkennungs-Finder können Sie nachschauen, welche deutschen Berufe Ihrer beruflichen Qualifikation entsprechen können. Die deutschen Berufe finden Sie auch hier.
  2. Auf anerkennung-in-deutschland.de können Sie nachschauen, ob Sie den Beruf nur dann ausüben dürfen, wenn Sie hierfür eine spezielle Erlaubnis haben und welche Form von Erlaubnis Sie benötigen. Wenn Sie eine spezielle Erlaubnis benötigen, können Sie den Beruf nur mit der Anerkennung ausüben.
  3. Sie können dort auch herausfinden, welche Stelle für die Entscheidung über die Anerkennung zuständig ist. Für viele Berufe sind dies die Regierungsstellen in den 16 Bundesländern, für die Handwerksberufe sind dies die örtlich zuständigen Handwerkskammern, für die Industrieberufe die IHK-Fosa der deutschen Industrie- und  Handelskammern. Auf den Internetseiten der zuständigen Stellen finden Sie oft viele weitere Infos zum Verfahren und zu den notwendigen Unterlagen. Den Antrag auf Anerkennung können Sie auch vom Ausland aus stellen, wenn Sie glaubhaft machen können, dass Sie in Deutschland den entsprechenden Beruf ausüben wollen. Das Verfahren ist gebührenpflichtig. Die Gebühren und Kosten sind teilweise sehr hoch. Wenn der Aufwand für die Stellen nicht so hoch ist, werden teilweise niedrigere Gebühren angesetzt. Hier können Sie durch eine gute Vorbereitung des Verfahrens auch erheblich Kosten sparen.
  4. Wenn Sie einen Antrag auf Anerkennung der ausländischen Qualifikation stellen, prüft die zuständige Behörde, ob eine sogenannte Gleichwertigkeit Ihrer Qualifikation mit der in Deutschland für den Beruf erforderlichen Qualifikation vorliegt. Eine Gleichwertigkeit kann festgestellt werden, wenn zwischen der Ausbildung im Herkunftsstaat und der Ausbildung für den entsprechenden Beruf in Deutschland keine wesentlichen Unterschiede bestehen. Wesentliche Unterschiede kann es z. B. geben bezüglich der Dauer der Ausbildung, vor allem aber auch bezüglich der Inhalte. Es gibt auch Berufe, bei denen es noch weitere Anforderungen gibt, damit Sie diese in Deutschland ausüben können (z. B. Deutsch-Sprachkenntnisse auf einem bestimmten Niveau). Es gibt auch - wenige Berufe - die nur deutsche Staatsangehörige oder EU-BürgerInnen ausüben dürfen. Wenn keine Gleichwertigkeit festgestellt werden kann, ist es auch in bestimmten Fällen möglich, dass eine sogenannte Teilanerkennung ausgesprochen wird und Sie dann die fehlenden Inhalte noch erwerben müssen („Nachqualifizierung“). Hierfür gibt es teilweise spezielle Angebote, Kurse etc. und Möglichkeiten einer finanziellen Förderung.
Wichtige Unterlagen für die Anerkennung

Wenn bei Ihnen die Anerkennung einer beruflichen Qualifikation in Betracht kommt, sollten Sie sich genau über die Regelungen und Möglichkeiten informieren. Dazu sind bestimmte Unterlagen wichtig und hilfreich:

  • Ein ausführlicher Lebenslauf mit genauen Angaben über Ihre Schulausbildung, Ihre Berufsausbildung, Studienzeiten, berufliche Tätigkeiten, praktische Erfahrungen (auch Praktika etc.), Fort- und Weiterbildungen, sonstige Kompetenzen und Fertigkeiten
  • Originale aller Zeugnisse
  • Nachweise über die konkret vermittelten Inhalte der Berufsausbildungen/Studienleistungen (z. B. Ausbildungspläne, Prüfungsordnungen, etc.), damit die zuständigen Stellen vergleichen können, inwieweit die Ausbildung der in Deutschland üblichen Ausbildung entspricht
  • Wichtig ist auch, berufliche Erfahrungen nachzuweisen, weil diese gegebenenfalls. fehlende Ausbildungsinhalte ausgleichen können. Dazu ist es wichtig, von den jeweiligen Arbeitgebern sehr detaillierte Zeugnisse anzufordern. In manchen Fällen ist es auch möglich, von den zuständigen Stellen, den Kammern in Ihrem Heimatland, Bescheinigungen zu erhalten, welche Qualifikationen während der Berufsausübung erworben wurden.
  • Übersetzungen dieser Unterlagen in die deutsche Sprache (Hinweis: teilweise verlangen die zuständigen Stellen jedoch Übersetzungen von einem in Deutschland zugelassen Übersetzer
Diese Liste ist nicht abschließend. Wichtig ist, möglichst viele Kenntnisse, Erfahrungen, Qualifikationen belegen zu können. Diese Unterlagen können auch sehr hilfreich sein, um sich auf entsprechenden Stellen in Deutschland erfolgreich zu bewerben.
 
Weiterführende Informationen
Informationen zu Anerkennungsverfahren finden Sie hier.